Pasch, Ursula: brüchner-hüttemann pasch bhp, Architekten + Generalplaner GmbH

Ursula Pasch
Foto: Bernhard Pierel/WESTFALEN-BLATT

"Man muss es wollen und sich an Menschen orientieren, die es geschafft haben."

Kurzprofil

Ursula Pasch ist seit 1991 Dipl.-Ing. Architektin.  Die 56-Jährige studierte an der RWTH in Aachen und arbeitete nach dem Studium in verschiedenen renommierten Kölner Architekturbüros.  1996 gründete sie mit Kai Brüchner-Hüttemann das Büro Brüchner-Hüttemann Pasch bhp Architekten + Ingenieure BDA in Bielefeld. Seit 2012 ist sie Geschäftsführerin der brüchner-hüttemann pasch bhp, Architekten und Generalplaner GmbH. Sie ist Mitglied im Bund Deutscher Architekten BDA und regelmäßig als Preisrichterin tätig. Sie engagiert sich in den Gestaltungsbeiräten der Städte Herne und Bielefeld. Seit 2019 ist sie Vorsitzende des Verkehrsverein Bielefeld.

Ursula Pasch im Gespräch mit Vera Wiehe über Entwicklungen und Frauenkarrieren in der Architektur

Warum habe Sie Köln verlassen und Ihr Büro in Bielefeld gegründet?

Mein Mann, Kai Brüchner-Hüttemann, den ich in Köln kennen und lieben gelernt habe, ist gebürtiger Bielefelder. Anfangs sind wir, nach einem gewonnenen Wettbewerb in Enger (Westfalen), von Köln nach Bielefeld gependelt, um die Baustelle zu betreuen. Dann ergab sich ein Folgeauftrag und die Intensität nahm zu, so dass es Sinn ergab, über einen Standortwechsel nachzudenken. Ich gebe zu, dass ich hier nicht die treibende Kraft war und mich anfangs anpassen musste. Kein Kölsch, kein Karneval.

Haben Sie ein Lieblingsprojekt?

Meine Lieblingsprojekte sind immer die, mit denen ich gerade intensiv befasst bin. Zurzeit ist es das Bildungszentrum in Unna, es besteht aus Grundschule, KITA, Familienzentrum und Sporthalle. Im Rahmen des gewonnenen Wettbewerbes haben wir einen Entwurf vorgestellt, bei dem sich alle Funktionen um eine gemeinsame Mitte organisieren. Die Räume sind transparent, so dass ein innovatives pädagogisches Konzept besser gelebt werden kann. Das finde ich vom Thema großartig.

Die Tatsache, dass wir den Neubau fast vollständig in Holzbauweise realisieren können ist spannend. Der nachhaltige Umgang mit Baustoffen ist ein wichtiges Thema, dem wir uns gerne und zunehmend widmen.

Wir wurden im Jahr 2020 vom Land Nordrhein-Westfalen für die Energieeffiziente Errichtung der Detmolder Heinrich-Drake -Realschule in Passivhausbauweise ausgezeichnet.  Energieeffiziente Schulen in NRW

Wie verändert sich Ihre Arbeit in Zukunft – wann holen sie die erste Schule aus dem 3D – Drucker?

Eine Schule aus dem Drucker: das würden wir direkt umsetzen, um es mal zu testen.

Noch lieber arbeiten wir allerdings mit den Handwerkern auf den Baustellen, die zum allergrößten Teil eine super Arbeit leisten.

Digitalisierung im Architekturbereich, das bedeutet für uns eine andere Art, Pläne zu zeichnen, wir modulieren 3D-Modelle und zeichnen nicht mehr einen zweidimensionalen Grundriss, Schnitte und Ansichten. Ich sehe dies als ein Werkzeug und die Chance, Prozesse zu beschleunigen, wobei die Kreativität nicht auf der Strecke bleiben darf. Zum Glück stellen wir durch den Einsatz neuer Software das Entwerfen nicht ein.

Die Zukunft liegt auch bei der Arbeit im Team und unseren Mitarbeitenden, einer bunten Truppe von Individualisten, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Sie geben mir sehr viel Input. Wir haben flache Hierarchien und sind von Beginn eines Projektes an in engem Austausch. 

Da Planen und Bauen ein sich ständig weiter entwickelnder Prozess ist, muss man als ArchitektIn immer am Ball bleiben und lebenslang weiterlernen. Diese Vielfalt begeistert mich.

Sie sind seit 2019 Vorsitzende des Verkehrsverein Bielefeld, wie möchten Sie diese Aufgabe gestalten?

Der Bielefelder Verkehrsverein hat das Ziel, die Stadt nachhaltig zu profilieren und attraktiver für alle zu machen. Aktuell werden zum Beispiel Themen wie die Entwicklung der Aufenthaltsqualität in Innenstädten stark diskutiert. In meiner Funktion als Vorsitzende des Verkehrsvereins sehe ich meinen Schwerpunkt jedoch nicht als städtebauliche Expertin, sondern darin, mit allen Akteuren ins Gespräch zu kommen und zum Handeln zu motivieren.

Gerade das Zusammenspiel von Bürgerengagement, Stadtmarketing und Stadtplanung ist für Bielefeld sehr wichtig. Das interessiert mich, vielleicht kann ich durch meinen beruflichen Hintergrund etwas bessere Überzeugungsarbeit leisten.

Meine Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement ist jedenfalls vorhanden. Ähnlich wie im Verkehrsverein bin ich auch in verschiedenen Gestaltungsbeiräten aktiv. Der Austausch mit Kollegen, die auch teilweise kontrovers geführten Diskussionen, der Blick hinter die Kulissen, das alles finde ich bereichernd. 

Haben sie ein Lebensmotto?

„Das Leben ist kurz“ und „sag niemals nie“. In meinen jungen Jahren ist ein sehr guter Freund unvermittelt im Alter von 23 Jahren verstorben. Dadurch ist dieses Motto entstanden, denn das Leben ist so schön, kann aber auch so kurz sein.

Da ich ein positiv denkender Mensch bin, sehe ich häufig die Potentiale, nicht nur die Risiken und versuche keine Option von vorne herein auszuschließen.

Wie verschaffen Sie sich einen Ausgleich zum Arbeitsalltag?

Klingt nicht besonders originell, aber meine Familie und Sport sind ein guter Ausgleich. Die Spaziergänge mit meinem Mann und unserer Hündin Lotta möchte ich nicht missen.

Regelmäßig spiele ich mit drei Freundinnen Tennis, danach wird noch bei einem Kaffee über die Welt geredet. Wöchentlich nehme ich an einem Yogakurs teil. Mit einer Gruppe befreundeter Familien fahren wir gerne Ski.

Sobald unsere Zwillinge uns aus Ihren Studienstädten besuchen kommen, lerne ich wieder Neues über Müllvermeidung, Ernährung, Konsumverhalten, Mobilität, etc.. Ich finde diese Gespräche sehr anregend. Unser Sohn studiert Maschinenbau und unsere Tochter Architektur, was auch zu spannenden Diskursen führt.

Wie ist die Karrieresituation für Frauen im Bereich Architektur?

Die Situation in den Architekturbüros ist gut, da MitarbeiterInnen gesucht und flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice angeboten werden. Der Anteil der weiblichen Studierenden liegt mittlerweile auch bei mehr als 50 Prozent.

Bei uns im Büro sind von den 46 Mitarbeitenden, 26 weiblich und 20 männlich. Ein Teil unserer MitarbeiterInnen kommt nach der Elternzeit zunächst mit 20 -30 Stunden die Woche zurück, um dann nach und nach die Arbeitszeit wieder zu erhöhen. Wir haben aber auch gute Beispiele dafür, dass Frauen in Vollzeit zurückkehren und ihre Männer zu Hause bleiben. Da ist eine intensive Entwicklung im Gang, in der z.B. zunehmend ArchitektInnen in der Bauleitung aktiv werden, obwohl die Bauindustrie, das Bauen selbst, eben doch noch eine Männerdomäne ist.

Eine wichtige Basis dafür ist, dass Frauen das gleiche Gehalt wie die Männer erhalten. Wir versuchen, objektiv nach Leistung zu entlohnen. Wenn sich ein Mann allerdings beim Einstellungsgespräch deutlich besser verkauft hat, bleibt die Differenz zu seiner weiblichen Mitbewerberin über die Probezeit hinaus meistens noch eine Weile bestehen.

Was haben sie für Empfehlungen für Frauen, die in ihrem Bereich Karriere machen wollen 

Die Qualifikation ist sehr wichtig, also sollte nicht nur der Bachelorabschluss angestrebt werden, sondern ein Masterstudiengang abgeschlossen werden.

Wer die klassischen Bereiche der Architektur studiert und sich dabei breit aufstellt, nach rechts und links schaut, hat eine gute Grundlage. Extrem wichtig ist die Praxisorientierung, d.h. in Architekturbüros oder auf den Baustellen Erfahrung zu sammeln, Theorie und Praxis zu verzahnen.

Gestaltungswillen und Leidenschaft sind neben einer gewissen Frustrationstoleranz Eigenschaften, die man mitbringen muss. Das Allerwichtigste ist aber, wie fast überall, Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit.

Falls der Wunsch besteht, sich selbständig zu machen, muss man akzeptieren, dass es leider nicht den perfekten Zeitpunkt gibt, da die Gründung eines Büros und die Familienplanung in der Regel zusammenfallen. Der Architekturberuf ist sehr anspruchsvoll, hat wenig Routinearbeiten und ist in Teilzeit als Selbstständige kaum zu bewältigen. Er lässt er sich mit eigener Kinderbetreuung nicht wirklich vereinbaren. Ohne gute Netzwerke und Unterstützung aus der Familie wird es nicht gehen. Man muss es wirklich wollen und mit einem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber leben lernen.

Auffällig viele erfolgreiche Architektinnen führen ein Büro mit ihrem Lebenspartner und bekommen Beruf und Familie so besser unter einen Hut. Der Anteil der Frauen in der Selbständigkeit ist ansonsten immer noch denkbar gering.

Allerdings bin ich zuversichtlich, dass die jungen Frauen, die heute Architektur studieren neue Strategien entwickeln, die es ihnen erlauben, ihr kreatives Potenzial ohne Behinderung durch überholte Geschlechtervorstellungen voll zu entfalten.

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