Zeuner, Rita: Hörgeräteakustikerin

„Ich wollte nie eine Nummer sein, sondern eine Führungsposition übernehmen“

Rita Zeuner betreibt seit drei Jahren ihr eigenes Hörgeräteakustikgeschäft, ohrginal hörakustik. Die heute 36-jährige ist seit ihrem 16. Lebensjahr in dieser Branche tätig. Nach einem Schulpraktikum wusste sie, dass sie ihre berufliche Leidenschaft gefunden hatte. „Diese Mischung aus handwerklicher Arbeit und dem Kontakt zu Menschen, zu erleben, wie jemand, der nicht mehr gut gehört hat, einfach wieder was hört, das hat mich von Anfang an fasziniert.“

Nach ihrer Ausbildung in Thüringen hat sie fünf Jahre lang als Gesellin gearbeitet, aber ihr wurde schnell klar, dass sie Meisterin werden und eine Führungsposition übernehmen wollte. „Ich habe immer gedacht, dass ich irgendwann alles so gestalten können will, wie ich es für richtig halte. Ich wollte mir keine Vorschriften machen lassen, und das geht nur, wenn ich in der Führungsposition bin.“ Kurz vor ihrem 25. Geburtstag hatte sie ihren Meisterbrief in der Tasche. Sie übernahm eine Filialleitung in Thüringen, dann hat die Liebe sie nach Bielefeld geholt. Auch hier war sie als Filialleiterin in einem Familienunternehmen tätig. 2014 baute sie mit einem Partner ein Hörakustikgeschäft in der Bielefelder Altstadt auf. Als ihr 2017 der aktuelle Standort neben einem Ohrenarzt angeboten wurde, hat sie sofort zugegriffen.  „Mir war klar, das ist die Chance. Wenn ich selbstständig wäre, könnte ich das genauso machen, wie ich das für richtig halte und meine Erfahrungen sammeln.“

Zu ihrem Alleinstellungsmerkmal gehört das audiosus-System, das zur Abstimmung der objektiven und subjektiven Anpassung der Hörgeräte führt und die akustische Wahrnehmung signifikant verbessert.  „Das ist das, was ich an dem Beruf liebe, es geht darum, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.“

Die Hörakustik als medizinisch-technisches Handwerk hat mit über 60 % eine sehr hohe Frauenquote und überdurchschnittliche viele Frauen machen sich erfolgreich selbstständig. In Bielefeld ist Rita Zeuner allerdings die einzige Inhaberin in ihrer Branche. Ihren Drive Richtung Handwerk und Karriere verdankt sie ihrer Familie: dem Großvater, mit dem sie als Kind Uhren auseinander gebaut, gesäubert und dann wieder zusammengebaut hat; ihrer Mutter, die als Betriebswirtin bei einem sozialen Träger in leitender Funktion gearbeitet hat und ihr Vorbild ist.

Dabei musste sich die zierliche, blonde Frau auch gegen typische Vorurteile durchsetzen. Es gab insbesondere männliche Kunden, die sie nicht ernst nahmen und nach dem Chef verlangten. „Das hat mich aber nie gebremst, sondern eher ehrgeiziger gemacht. Diese Situationen sind seltener geworden. Je älter ich werde, umso mehr Selbstvertrauen habe ich, das strahlt man ja auch aus.“

Rita Zeuner hat schon immer einen eigenwilligen Kopf gehabt und ihre Ziele sehr direkt verfolgt. Sie treibt gerne viel Sport und möchte immer zu den Besten gehören. Als Marathonläuferin belegte sie bei ihrem letzten Lauf den dritten Platz in der Handwerkerwertung. Aktuell pausiert sie, weil sie bald ihr erstes Kind erwartet.

Sie setzt sehr auf die tatkräftige Unterstützung durch ihre zwei Mitarbeitenden und plant recht schnell wieder einzusteigen. „Wichtig ist für die Kunden, dass ich da bin, zwar nicht mehr die ganze Woche, sondernnur zu bestimmten Zeiten. Aber da sein werde ich auf jeden Fall.“ Sie nennt es ihr großes Glück, dass ihr Partner die Selbständigkeit unterstützt und ihr den Rücken freihält. Er wird Elternzeit nehmen und sich um das Kind kümmern.

Erfolg ist für Rita Zeuner zu sehen, wie der Umsatz steigt und der Laden von Jahr zu Jahr besser läuft. Genauso wichtig ist ihr die positive Resonanz der Kundinnen und Kunden. „Diese emotionale Bindung der Kunden, die uns zu Weihnachten mit selbstgebackenen Plätzchen beschenkt haben, zeigt mir, dass wir etwas richtig gemacht haben.“ Außerdem hält sie es für sehr wichtig, sich regional zu vernetzen und kooperative Kontakte aufzubauen.

Sie war eine Zeitlang Mitglied in einem regionalen Chapter des BNI Business Network International und in der Altstadtkaufmannschaft. Daraus sind sehr viele Kontakte entstanden, die sie für ihre berufliche Entwicklung nutzen konnte.

Ihre Tipps für Frauen, die im Handwerk gründen wollen lauten: sich nicht von den Männern einschüchtern lassen, auf sich selbst vertrauen und gleichzeitig Netzwerke nutzen; den Mut haben, auch mal ins kalte Wasser zu springen und keine Angst vor dem Scheitern zu haben,  denn es gibt immer einen Weg, der weiter geht.

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