Digitale Transformation als Chef(innen)sache – Warum Frauen die Digitalisierung mitgestalten sollten

Digitalisierung ist allgegenwärtig und verändert unsere Art zu leben und zu arbeiten. Intelligente Maschinen und Algorithmen werden laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums bereits im Jahr 2025 mehr Arbeiten verrichten, als die Menschen. In vielen Berufen verändern sich die Arbeitsaufgaben der Beschäftigten, die mit neuen Kompetenzanforderungen konfrontiert werden. Die Arbeit entkoppelt sich von Zeit und Ort, bis zu Virtualisierung. Die Beschäftigungs- und Organisationsstrukturen sind im Wandel. Welche Folgen haben diese Veränderungsprozesse für Frauen?

Digitalisierung und Frauen

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bietet Chancen, aber auch Risiken für Frauen. Laut DGB Studie 2017 arbeitet bereits über die Hälfte der Frauen mit digitalen Technologien (56 Prozent), bei Männern sind es 63 Prozent. Frauen mit Hochschulabschluss sind zu 78 Prozent von Digitalisierung betroffen, ohne Berufsabschluss zu 32 Prozent. Allerdings findet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der digitalisierten Arbeitswelt nicht automatisch statt. Viele Frauen erleben durch die Digitalisierung mehr Stress, Kontrolle und Multitasking.

Die Flexibilisierung der Arbeit bedeutet, dass wir unabhängig von Zeit und Ort arbeiten können. So ist es den Frauen möglich, besser Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch die Entgrenzung und (Selbst)Ausbeutung durch ständige Verfügbarkeit und unbezahlte Mehrarbeit und als Folge psychische Belastungen. 

Um die Vorteile der Digitalisierung zu erschließen, soll die Arbeitswelt 4.0 im Interesse aller Beschäftigten gestaltet werden. Jedoch werden heute die Entscheidungen über den Einsatz digitaler Technik überwiegend von Männern getroffen – in den Führungsetagen der Industrie 4.0-Unternehmen machen Frauen nur 7 Prozent aus. Auch in anderen Unternehmen sind Frauen in Entscheidungspositionen – trotz gesetzlicher Quoten und freiwilliger Verpflichtungen der Unternehmen – immer noch unterrepräsentiert. Unter IT-Führungskräften machen Frauen lediglich 10 Prozent aus.
Es ist erforderlich, die Beteiligung der qualifizierten Frauen an der Gestaltung der Digitalisierung voranzutreiben. Politik, Unternehmen und nicht zuletzt wir Frauen sollen das in die Hand nehmen.

Der Weg in die Entscheidungspositionen ist für Frauen immer noch schwer

Junge Frauen sind heute besser gebildet als gleichaltrige Männer – 51 Prozent aller Hochschulabsolventinnen und -absolventen sind Frauen. Sogar der Anteil der Studentinnen in MINT-Fächern beträgt aktuell 28 Prozent. Und trotzdem müssen qualifizierte Frauen auf dem Weg zu einer Führungskarriere zahlreiche Barrieren überwinden – Männerdominanz, Stereotype in Bezug auf die Geschlechterrollen (insbesondere bei den älteren Männern), Probleme mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Zweifel an eigener Kompetenz und mangelndes Selbstvertrauen.
Diese Hindernisse können nur durch gemeinsame Bemühungen der Politik, Gesellschaft, Unternehmen und Frauen selbst abgebaut werden.

Spezielle Programme für Frauenförderung, die die Bundesregierung seit mehreren Jahren betreibt, sollten fortgesetzt werden. Wichtig ist es auch, gegen die Stereotype in der Gesellschaft vorzugehen und die Rollenklischees von Mann und Frau zu überwinden. Hierbei sind Bildungsinstitutionen und Familien gefragt.

In Unternehmen ist eine Kultur- und Mentalitätswende notwendig, die eine Wertschätzung der Vielfalt und eine tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter ermöglicht. Es gibt dafür viele Good-Practice-Beispiele von Unternehmen, die die Vorteile von Frauen schätzen gelernt haben und gezielt nach Frauen für die Besetzung ihrer Führungspositionen suchen. Diese Unternehmen haben die positiven Auswirkungen von gemischten Arbeitsteams auf die Perspektivenvielfalt und Kreativität erkannt und berichten über positive Auswirkungen von Frauen in Führungspositionen auf das Arbeitsklima, die Kundenzufriedenheit und Innovation. 

Frauen als Führungskräfte der Zukunft  

Betrachtet man die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit und Führung, so könnte man behaupten, dass Frauen als Chefinnen zu den Vorreiterinnen eines neuen Führungsverständnisses werden können. In der digitalisierten Arbeitswelt mit automatisierten Produktionsprozessen, flexiblen Strukturen und temporären Projektteams sind Führungspersönlichkeiten gefragt, die Sinn vermitteln, Potenziale entfalten und Beziehungen managen können. Diese Führungskräfte müssen sozialkompetent, teamfähig und beziehungsorientiert agieren, und diese Eigenschaften werden oft Frauen zugeschrieben.

Allerdings besteht dabei die Gefahr, in veraltete Stereotype zu verfallen, die mit dem Generationenwechsel mindestens teilweise verschwinden werden. Für die Generation Y ist die Gleichberechtigung der Geschlechter eher eine Selbstverständlichkeit. Und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist – Gott sei Dank – genauso Männer- wie Frauenangelegenheit.

Ob Mann oder Frau – eine Führungskraft der Zukunft sollte sich mit einer nachhaltigen Gestaltung der digitalisierten Arbeitswelt befassen, in der die Flexibilisierung allen Beschäftigten zugutekommt, neue gute Arbeitsplätze entstehen und tatsächliche Leistung – und nicht Präsenz – zählt. So werden wir in einer Welt arbeiten und leben, die unseren Vorstellungen entspricht.

Wie jede Technologie, bringt auch die Digitalisierung Vor- und Nachteile zugleich. Es kommt darauf an, die neue Arbeitswelt im Interesse aller Mitarbeitenden zu gestalten. Und das kann nur unter aktiver Beteiligung von qualifizierten Frauen an Entscheidungs- und Führungsprozessen gelingen.

Dieser Beitrag wurde von unserer Gastautorin Prof. Dr. Swetlana Franken von der Fachhoschule Bielefeld geschrieben.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.