Ein Blick in die MINT-Berufe

© Thomas Rafalzyk: Teilnehmerinnen der meet.ME 2018

Der MINT-Bereich umfasst die gesamte Bandbreite der Berufe, in denen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik eine zentrale Rolle spielen. 7,7 Millionen Menschen sind in diesen Berufsfeldern sozialversicherungspflichtig beschäftigt (2017) und damit mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Beschäftigten in Deutschland. Entsprechende Bedeutung hat der MINT-Bereich auf dem Arbeitsmarkt. Angesichts der Entwicklungen im Zukunftsfeld Industrie 4.0 nimmt diese Bedeutung weiter zu. Der Frauenanteil an den MINT-Beschäftigten ist mit 15,2 Prozent (2017) nach wie vor gering, zeigt aber eine steigende Tendenz:
So hat die Zahl der weiblichen MINT-Erwerbstätigen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Von 2013 bis 2017 stieg sie um 11 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Männern stieg sie im gleichen Zeitraum nur um 6 Prozent. Dabei steigt der Frauenanteil mit dem Anforderungsniveau. Facharbeiterinnen und Spezialistinnen sind mit 13,6 und 16,4 Prozent der Beschäftigten anteilig seltener als Expertinnen mit 19 Prozent.[1]

Wie in allen anderen Bereichen auch, so wirkt sich der generelle Frauenanteil in den MINT- Berufsfeldern auch auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen in den entsprechenden Bereichen aus. In der Studie „Frauen im Management in Industrie 4.0“ der Bisnode Deutschland GmbH in Kooperation mit dem „Kompetenzzentrum Frauen im Management“ (Kompetenz-FiM) der Hochschule Osnabrück wurde untersucht, wie sich der Frauenanteil im Management in Industrie 4.0-Unternehmen entwickelt hat. Dabei zeigte sich, dass im Jahr 2016 der Anteil von Frauen im Top- sowie im mittleren Management bei 18,4 Prozent lag. Auch wenn dieser Anteil nach wie vor   ist, so ist dies doch eine Steigerung um 5,1 Prozentpunkte gegenüber 2006, wo erst 13,3 Prozent Frauen in einer solchen Position waren. Die Zahlen machen jedoch auch deutlich, dass je höher die Position, je geringer der Frauenanteil: Blickt man alleine auf das Topmanagement so zeigt sich, dass der Anteil von Frauen im Zukunftsfeld Industrie 4.0 bei nur 7,2 Prozent liegt, und damit sogar noch deutlich unter dem Frauenanteil von 11,7 Prozent insgesamt im Topmanagement über alle Branchen hinweg.[2]

[1] Vgl.: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2018):
Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – MINT-Berufe, Nürnberg, September 2018.

[2] Industrie 4.0 – Frauen im Management 2016 (FiM):
Studie in Kooperation des Kompetenzzentrums Frauen im Management, Hochschule Osnabrück, mit Bisnode Deutschland GmbH.

Wer mehr Frauen in MINT-Führungspositionen will, muss generell mehr Frauen für MINT gewinnen

In der akademischen Ausbildung zeigt sich eine insgesamt positive Entwicklung: Über alle einschlägigen Studiengänge hinweg hat sich die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen im 1. Fachsemester seit dem Studienjahr 2008 von 59.599 (2008) auf 115.134 (2017) fast verdoppelt (+93 Prozent). Die Zahl der männlichen Studienanfänger stieg im gleichen Zeitraum um 74 Prozent. Auch in den Studiengängen der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften zeigt sich ein positiver Trend: Der prozentuale Anteil der Studienanfängerinnen an der Gesamtzahl der Studierenden im 1. Fachsemester liegt 2017 erstmalig über 25 Prozent. Im Studienjahr 2008 waren es noch 22 Prozent.  Problematisch bleibt weiterhin die duale MINT-Berufsausbildung: Hier lag der Frauenanteil 2017 bei nur 11 Prozent.

Die Zahlen der Studienanfängerinnen in den MINT-Studiengängen und insbesondere die geringe Anzahl der weiblichen MINT-Auszubildenden machen den Handlungsbedarf deutlich: Maßnahmen mit denen das Berufswahlspektrum von jungen Frauen erweitert und sie auf ihre Talente im MINT-Bereich aufmerksam gemacht werden, müssen intensiviert und ausgeweitet werden. Zudem muss die Chancenungleichheit auf dem Weg in Führungspositionen abgeschafft werden. Der nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.“ ist gemeinsam mit seinen Paktpartnerinnen und -partnern in diesen Bereichen auf vielfältige Weise aktiv. Maßnahmen zur Erweiterung des Berufswahlspektrums werden in verschiedenen Formaten und mit unterschiedlicher Dauer das ganze Jahr über angeboten. Einen Überblick über die vielfältigen Angebote bietet die Projektlandkarte unter:  https://www.komm-mach-mint.de/MINT-Projekte/Projektlandkarte.


Für MINT-Studentinnen und -Absolventinnen führt die Geschäftsstelle von „Komm, mach MINT.“ einmal jährlich unter dem Namen „meet.ME“ eine zweitägige Karriereauftaktveranstaltung für 100 bis 120 MINT-Studentinnen und -Absolventinnen durch. Das Besondere an der Veranstaltung sind die Speeddatings mit den Paktpartnerunternehmen: Die Teilnehmerinnen können sich in diesem Rahmen mit Personalverantwortlichen über ihre beruflichen Perspektiven austauschen, gemeinsam mögliche Karriereoptionen entwickeln und ihre beruflichen Ziele vor dem Hintergrund der Erwartungen und Angebote ganz unterschiedlicher Arbeitgeber zu überprüfen. Ebenfalls angeboten werden interaktive Workshops und Vorträge, in denen die Teilnehmerinnen Tipps und Inspirationen für die künftige Stellensuche erhalten.

In der Förderlinie „Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen“ fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Projekte, die sich konkret damit beschäftigen, wie mehr Frauen für Führungspositionen gewonnen werden können. Damit wird die Umsetzung der Ziele des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen unterstützt. Im Projekt „Chefin“ der TU Dortmund und der RWTH Aachen beispielsweise wird das Online-Tool „Competence Development Recommender (CDR)“ entwickelt, welches Frauen auf Basis ihrer individuellen Lebensläufe bei der Karriereplanung unterstützen soll. Das Verbundprojekt „Doktorandinnen in IT: Bundesweite Analyse der Situation und Fördermaßnahmen (DokIT)“ des Instituts für Angewandte Informatik e.V. (InfAI) an der Universität Leipzig und am Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. DokIT erforscht, unter welchen Bedingungen Informatikerinnen promovieren. Ziel des Projektes ist es, den Anteil von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Professorinnen im IT-Bereich zu steigern. Im Rahmen des Projektes FührMINT wird untersucht, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Frauen für MINT-Führungspositionen gewonnen werden und sie ihre Führungsfähigkeiten in solchen Positionen optimal entfalten können.

Veränderung der Unternehmenskultur ist von entscheidender Bedeutung

Viele Unternehmen haben erkannt, dass eine Vielfalt ihrer Belegschaft und eine Vielfalt ihrer Führungsetagen sich positiv auf den Erfolg auswirken. Wer unterschiedliche Perspektiven und Meinungen integriert, bekommt am Ende die besseren Ergebnisse. Mehr weibliche Nachwuchskräfte zu gewinnen und dauerhaft im Unternehmen zu halten kann jedoch nur gelingen, wenn Maßnahmen umgesetzt werden, die chancengerechte Karriereentwicklungsmöglichkeiten gewährleisten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Von herausragender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang ein Wandel in der Unternehmenskultur und die Bereitschaft der oberen Führungsebene, sich für eine größere Vielfalt zu öffnen und die sozialen Vorteile eines höheren Frauenanteils an die Belegschaft zu vermitteln. Ganz wichtig dabei: die männlichen Mitarbeiter in die Maßnahmen einbinden. Beide Geschlechter sollten von den Vorteilen der Kulturveränderung profitieren können.

Über „Komm, mach MINT.“ 

„Komm, mach MINT.“ – der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen führt die Kompetenz von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnern und Medien zusammen, um das Bild der MINT-Berufe in der Gesellschaft zu verändern. „Komm, mach MINT.“ wurde 2008 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Ziel gestartet, junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern sowie Hochschulabsolventinnen für Berufskarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen. Die Geschäftsstelle von „Komm, mach MINT.“ ist im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. angesiedelt. Der Verein fördert bundesweit die Chancengleichheit von Frauen und
Männern sowie Vielfalt als Erfolgsprinzip in Wirtschaft, Gesellschaft und technologischer Entwicklung.

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