Droste, Nadine: Kunstverein Bielefeld

„Die Freiheit, die wir meinen liegt mir am Herzen.“

Was haben Kunstvereine mit bürgerlicher Freiheit zu tun? Als Orte für bürgerliche Selbstverständigung und Auseinandersetzung mit der Kunst sind diese vor mehr als 200 Jahren entstanden und haben das moderne Bild der Freiheit mitgeprägt.

Nadine Droste, seit März 2019 Direktorin des Kunstverein Bielefeld, ist überzeugt, dass ihr Verein, noch heute ein Ort der Aufklärung ist, in dem gesellschaftliche Veränderungsprozesse anhand junger zeitgenössischer Kunst reflektiert werden können. Sie ist begeistert vom internationalen Renommee des Vereins, von der lebendigen Präsenz der Mitglieder im Verein und seiner aktiven Rolle in der Bielefelder Stadtgesellschaft.

Nach ihrem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg absolvierte die Hamburgerin den Studiengang Curatorial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule mit einer Arbeit über die gesellschaftliche Bedeutung von Kunstvereinen. Von 2014 bis 2016 war die heute 37-jährige im Kunstverein in Hamburg tätig und co-kuratierte verschiedene Ausstellungen. Sie war Mitbegründerin des Ausstellungsraum VIS in Hamburg und zeigte 2018 ein dynamisches Programm mit Einzelausstellungen internationaler, zeitgenössischer Künstler*innen.

Nadine Drostes Programmplanung in Bielefeld lädt dazu ein, neue Perspektiven der jungen und internationalen zeitgenössischen Kunst zu erfahren und gegenwärtige Gesellschaftsbilder zu diskutieren. In der jüngst gezeigten Ausstellung „Die Freiheit, die wir meinen“ präsentierte sie, wie Künstler*innen sich mit dem Begriff und Verständnis von Freiheit in der Gegenwart auseinandersetzen. Das Motiv der künstlerischen Freiheit ist nach Droste zum Role Model für gesellschaftliche Prozesse geworden. Was bedeutet es für die Kunst, wenn die Forderung nach Freiheit, Autonomie und Kreativität zur Bedingung einer neuen Arbeits- und Lebensphilosophie geworden ist?

Außerdem interessiert sie die Frage, wie die Frau als Künstlerin agiert. „Ich habe ein sehr sensibles Gespür, was die Rolle der Frau angeht. Machtstrukturen zu reflektieren, spielt in meiner Arbeit eine Rolle.“ Sie ist erleichtert, dass Karrierechancen für Frauen im Kunstbetrieb besser geworden sind. Noch in den 80er Jahren waren Frauen in leitenden Positionen hier kaum vertreten, doch mittlerweile werden etliche Kunstvereine durch Frauen geprägt.

Nadine Droste widmet sich ihren Aufgaben mit viel Neugierde. Es ist ihr sehr wichtig, Neues zu entdecken, Neues zu erfahren und zugleich beim Publikum das Interesse an Neuem zu wecken. Sie ist überzeugt, dass junge Frauen, die im Kunstbetrieb Karriere machen wollen, sich vernetzen, sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen müssen. Dadurch wird es leichter, auf sich aufmerksam machen, Offenheit einzufordern und Machtstrukturen zu durchbrechen. Wichtig sind Vorbilder für Frauen, denn erst wenn Frauen in Führung selbstverständlich sind, kann die nachwachsende Frauengeneration Karriere als Idee für sich selbst entwickeln.

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