Zwillinge und Leitungsfunktion: Eine wahre Win-Win-Situation

„Ich nutze Chancen, die sich mir bieten!“ Mit dieser Haltung hat Ann-Christin Mittag schon als junge Frau Karriere gemacht. Zielstrebig und konsequent hat sie für ihren beruflichen Aufstieg gearbeitet. Seit 2018 ist die Bielefelderin Abteilungsleiterin Kreditanalyse und -betreuung bei der Sparkasse Bielefeld. 2016 und 2017 hat sie am Frauenförderprogramm ihres Arbeitgebers teilgenommen. Das Ziel dieses Programms: Frauen für Führungspositionen zu interessieren und zu qualifizieren und damit den Anteil der weiblichen Führungskräfte in der ersten und zweiten Führungsebene zu erhöhen.

Sie gehörte schon immer zu den Ehrgeizigen, brachte gute Schulnoten nach Hause, wollte weiterkommen. Bereits als 19-Jährige wusste Ann-Christin Mittag, dass sie Karriere machen wollte – ohne ganz genau zu wissen, was „Karriere“ eigentlich sein sollte, „ich hatte keinen konkreten Plan“. Der kaufmännische Bereich interessierte die 1986 in Bielefeld geborene und in Schloß Holte groß gewordene Gymnasiastin, die die Hans-Ehrenberg-Schule in Sennestadt besucht hat. „Aber einfach nur BWL studieren und dann mal sehen, was kommt“, war nicht ihre Sache. Sie wollte den Praxisbezug – und bewarb sich unter anderem bei der Sparkasse Bielefeld, bei der sie im August 2006 als Auszubildende mit dem Ziel Bankkauffrau landete.

In den folgenden zehn Jahren nutzte sie wohl überlegt die Chancen, die sich ihr boten. In der Filiale Beckhausstraße war sie Privatkundenberaterin, arbeitete danach als Trainee im Kreditbereich in der Sparkassenzentrale. Es folgten zwei Jahre als Immobilienfinanzierungsberaterin im neuen ImmobilienCenter in der City. 

Parallel zum Job investierte sie in ihre Weiterbildung. Erst drei Jahre Fernstudium an der Hochschule der Sparkassenfinanzgruppe in Bonn, die sie mit dem Bachelor of Science abschloss. In der Zeit war ihre Stelle auf 80 Prozent reduziert. Unmittelbar danach, von April 2013 bis April 2016, machte sie an der Fernuniversität in Hagen den Master of Science in Wirtschaftswissenschaften.

Wie sie das stramme Programm all die Jahre über geschafft hat? Weiß sie heute selbst nicht mehr so genau. Eine gute Organisation, ganz sicherlich. Außerdem: „Ich hab mich nicht kirre machen lassen.“ Und dann war da auch noch das familiäre Umfeld, ihr Mann, der sie und ihre Ambitionen gerne unterstützt und sie immer motiviert.

In der Sparkasse hatte sie unterdessen die nächste Karrierestufe erklommen. Ihre unmittelbare Vorgesetzte, die Leiterin Immobilienfinanzierungen, war schwanger. Die Leitungsfunktion war vertretungsweise zu besetzen. Ann-Christin Mittag ergriff die Chance, für sich zu testen, „ob ich Leitung will und kann.“ Für zweieinhalb  Jahre übernahm sie diese Aufgabe, danach war die erst 30-Jährige bereit für den nächsten Schritt. Der Leiter Firmenkundenservice ging in Ruhestand, die Stelle war ausgeschrieben. Die frisch gebackene Master of Science bewarb sich und übernahm im Juli 2016 ihre neue Aufgabe.

Nie hat die Sparkassenfrau das Gefühl gehabt, den Arbeitgeber wechseln zu müssen, um etwas Neues kennenzulernen. Sie erfuhr Förderung, bekam Chancen, nutzte diese und profitierte von professioneller Unterstützung auf vielen Ebenen. So konnte sie sich aus heutiger Sicht der eigenen Stärken bewusst werden und auch wohlkalkulierte Risiken eingehen. Den berühmten Masterplan für sich selbst hatte sie nie, „da ticken Frauen vielleicht anders als Männer.“ Wohl ging es ihr immer um die Chance der persönlichen Weiterentwicklung und um neue, spannende Herausforderungen – und so übernahm sie im Januar 2018 die Abteilungsleitung Kreditanalyse und -betreuung, zu der rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören.

Mit ihrem Team hat sie ab Sommer 2018 intensive Gespräche geführt. Zuvor machte sie Termine bei ihrer direkten Führungskraft. Der Grund: Bei  Ann-Christin Mittag kündigten sich Zwillinge an, ein Junge und ein Mädchen. Mit ihrem Mann war sie sich immer einig gewesen, dass beide Kinder wollten. Im Unternehmen hatte sie nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie nicht nur Beruf, sondern auch Familie haben möchte: „Viele Frauen, die Mütter werden wollen, scheuen sich vor einem nächsten Karriereschritt mit dem Hinweis, dass das mit kleinen Kindern doch gar nicht geht. Mein Mann und ich sehen das anders.“

Überaus positiv empfindet sie das Verhalten ihrer direkten Führungskraft, mit der erste Pläne für ihre Auszeit diskutiert wurden. „Nur durch die gute  Unterstützung meines Vorgesetzten und die kollegiale  Bereitschaft im Führungsteam, zeitweise zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, konnte ich mit guten Gefühlen meine Auszeit planen.“

Der Plan wurde im Winter 2018/19 gefasst. Sie geht in Mutterschutz, bleibt dann sechs Monate zuhause und kommt nach acht Monaten zurück in ihre Leitungsfunktion. Zunächst mit 65 Prozent oder 25 Stunden, danach mit 30 Stunden. Wenn sie wieder arbeitet, bleibt ihr Mann für sechs Monate zuhause, auch das sorgfältig abgestimmt mit seinem Arbeitgeber. „Und dann werden wir sehen“, ist die junge Mutter optimistisch. Auch, weil sie auf die beiden Großelternpaare zählen kann, die Unterstützung zugesagt haben.

Und die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen? Gratulationen und das Angebot, die junge Mutter zu unterstützen. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es vor allem wichtig zu wissen: Was ist der Plan?“ Und so hat sie viele Gespräche geführt, ihr Streben nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf erklärt und immer wieder betont, dass sie die Leitungsfunktion behalten will.

Natürlich funktioniert das alles nur, wenn es im Unternehmen hoch bis zur Vorstandsebene einen Konsens darüber gibt, dass Führung in Teilzeit geht und dass es Sinn macht, Frauen an Bord zu halten, in die das Unternehmen ja schließlich jahrelang investiert hat. Dies auch vor dem Hintergrund, dass eine junge Frau wie Ann-Christin Mittag noch mehr als 30 Berufsjahre vor sich hat.

Ob alles so kommt wie der große Plan in der Theorie vorgibt, wird sich weisen. Die junge Mutter ist jedenfalls zuversichtlich. Und die Sparkasse Bielefeld hat eine engagierte Führungskraft, die sehr wohl weiß, dass ihr Arbeitgeber sie schätzt und ihr und der Familie entgegen kommt. Eine Win-Win-Situation, die für beide Seiten Vorteile bringt.

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